So wird Ihr Team fit für die Zukunft
Abläufe im Betrieb durch gezielte Qualifizierung der Mitarbeiter deutlich verbessern
Handwerk 4.0 ist in aller Munde. Dass damit nicht nur die Digitalisierung gemeint ist, verdeutlicht der Leitartikel der e-masters IMPULSE 4/2019.
Bei Ihnen stapeln sich die Aufträge und es fehlen Zeit sowie Mittel für eine gezielte Qualifizierung der Mitarbeiter? Dann lassen Sie doch die Profis ran und nutzen Sie vor allem das reichhaltige Förderangebot.
Wenn beispielsweise Elektromeister Schnell aus dem Schwabenland mit seiner Erfahrung und dem unternehmerischen Wissen nicht mehr weiterkommt, holt er sich Rat bei anderen. „Ich bin mit dem Betrieb aufgewachsen und habe schon als Kind gelernt, dass man als Unternehmer immer sehr genau abwägen muss, was man tut“, weiß der Elektromeister.
Als er den Betrieb von seinem Vater übernahm und beide ihn dann in der Folge durch den Aufbau neuer Geschäftsfelder von zehn auf 40 Mitarbeiter aufstocken konnten, geriet der von seinem Vater praktizierte Führungsstil an seine Grenzen. „Es war nicht mehr möglich, alle Mitarbeiter detailliert zu unterweisen, ich musste Aufgaben delegieren.“ Da Führungsthemen bei seiner Meisterausbildung noch keine Rolle spielten, bildete sich Elektromeister Schnell selbst in den Bereichen Coaching und Unternehmensführung weiter: mit dem Ziel, die Mitarbeiter darauf einzustimmen, auch komplexe Aufgaben selbstständig zu übernehmen, und sie zudem auf den digitalen Wandel im Betrieb vorzubereiten.
Neues Lernen: Wie Chefs die Mitarbeiter überzeugen
Obwohl Elektromeister Schnell seine Mitarbeiter in Einzelgesprächen nach ihren Wünschen und Zielen gefragt hat, verstanden zunächst nicht alle, warum sich etwas ändern soll. „Vor allem die langjährigen Mitarbeiter hatten zunächst Vorbehalte, noch einmal etwas Neues zu lernen“, erklärt der Unternehmer. Um die Akzeptanz zu steigern, beschränkte er sich im ersten Schritt vor allem auf fachorientierte Schulungen, die für bessere Abläufe im Betrieb sorgen und das Arbeiten für alle einfacher gestalten. So wurde nicht nur ein neues Warenwirtschaftssystem eingeführt, sondern auch Tablets für alle Mitarbeiter, damit diese die neue Software zur Planung der Kundenfahrten nutzen konnten.
Fördermittel: Geld vom Staat nutzen
Die jeweils notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen inklusive Prüfungen, Reisekosten und Lohnfortzahlungen hat Elektromeister Schnell über das Förderprogramm Weiterbildungsfinanzierung 4.0 der L-Bank Baden-Württemberg finanziert. Bis zu 20.000 Euro pro Beschäftigten können beispielsweise Unternehmer im Ländle als zinsvergünstigtes Darlehen über ihre Hausbank erhalten, wenn sie ihr Team für neue Produkte, Geschäftsfelder oder Prozesse weiterbilden möchten. Für den Elektromeister ist die Förderung ein zusätzlicher Anreiz, den anfangs bei den Mitarbeitern nicht immer willkommenen Qualifizierungsprozess weiter voranzutreiben. „Inzwischen läuft es richtig gut, die Mitarbeiter müssen sich erst mal daran gewöhnen, dass immer was Neues kommt“, zeigt der Unternehmer Verständnis. Für ihn selbst hat sich der Schritt in Richtung zu einer modernen Führungskultur und Arbeitsorganisation auf jeden Fall gelohnt: „Der Betrieb läuft heute auch mal ohne mich.“
Mit seinem Engagement befindet sich der schwäbische Unternehmer in bester Gesellschaft, wie die Weiterbildungserhebung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Danach boten 85 Prozent der Firmen ihren Mitarbeitern Weiterbildungsmaßnahmen an. Dabei gaben sie im Durchschnitt 1.067 Euro pro Mitarbeiter aus. Im Zeitablauf besonders stark gestiegen sind laut Analyse der IW-Experten die Weiterbildungsaktivitäten in den klassischen Ausbildungsberufen und in den Berufen mit Fortbildungsabschluss.
Mitarbeiter: neue Umgangsformen im Team notwendig
Trotz des positiven Trends ist es nach wie vor für viele Betriebe eine Herausforderung, die Weiterbildungsmaßnahmen in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Christine Seger, Spezialistin für Personalentwicklung, kennt die Vorbehalte von Chef und Mitarbeitern beim Thema Weiterbildung: „Man muss die Menschen in ihrem Tempo mitnehmen, sonst schalten sie auf stur und verweigern sich.“ Das kann, wie die Expertin für partnerschaftliche Unternehmensführung betont, durchaus ein längerer Prozess sein, doch nach ihrer Erfahrung gibt es zum Anfangen und Durchhalten auch im Handwerk keine Alternative: „Wir brauchen einen anderen Umgang in den Betrieben: Der Chef muss attraktive Arbeitsplätze bieten, sonst findet er keine Fachkräfte mehr.“ Leider sei diese Erkenntnis noch längst nicht bei allen Unternehmern angekommen, obwohl Bund und Länder die Personalentwicklung teilweise sehr üppig fördern.
Lesen Sie mehr im Leitartikel der IMPULSE 4/2019. Eine Marktübersicht über Programme für Handwerker von Bund und Ländern finden Sie dort auf der Seite 13.
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