Wie stoppt man den Dauerstress?
Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement
Volle Auftragsbücher und Fachkräftemangel bringen viele Elektro-Fachbetriebe ans Limit. Aber ständiges Arbeiten an der Kapazitätsgrenze zehrt nicht nur an den Nerven der Mitarbeiter, sondern auch an deren Leistungsfähigkeit. Letztendlich kann das dann zu mehr Fehlzeiten der Beschäftigten führen, da sie irgendwann überlastet sind. So steigen die stressbedingten Krankheitstage im Handwerk drastisch an. Das wiederum führt zu Mehrarbeit bei den übrigen Kollegen.
Vorbeugen durch bessere Betriebsorganisation und mehr Motivation
Laut Präventionsbericht von 2017 wurden bundesweit zwar in 13.132 Firmen BGM-Maßnahmen durchgeführt, Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern und Kleinstbetriebe unter zehn Mitarbeitern sind dabei jedoch nur zu einem Fünftel vertreten. Dennoch hat sich gerade im Handwerk bei dem Thema einiges getan, wie Frank Klingler, Referatsleiter Betriebliche Gesundheitsförderung bei der IKK Classic in Böblingen, bestätigt: „Die Bereitschaft, sich auf BGM-Maßnahmen einzulassen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.“
Inzwischen sehen auch viele Chefs im Handwerk die Notwendigkeit, sich stärker um gesundheitsfördernde Arbeitsplätze und -bedingungen zu kümmern. Da die Fachbetriebe in einigen Regionen keine neuen Mitarbeiter mehr finden, müssen die Inhaber z. B. durch BGM-Maßnahmen dazu beitragen, ältere Mitarbeiter länger arbeitsfähig zu halten.
Geändert hat sich dabei nach Aussage des Experten vor allem die Motivation der Chefs: Ging es früher vor allem um Themen wie richtiges Heben und Tragen und die Reduktion von Fehlzeiten, steht heute zunehmend die Zufriedenheit der Mitarbeiter im Vordergrund.
Sabine Voermans, Leiterin Gesundheitsmanagement bei der Techniker Krankenkasse in Hamburg, bestätigt die Einschätzung des IKK-Kollegen: „Heben und Tragen sind heute auch noch wichtig, doch oft stecken hinter diesen Themen ganz andere Dinge, die die Gesundheit der Mitarbeiter beeinflussen.“ Schließlich komme der Stress nicht automatisch, weil so viele Aufträge da sind, sondern werde oft durch Mängel in der Prozessorganisation und Kommunikation verursacht. Deswegen legt die Techniker Krankenkasse großen Wert darauf, beim BGM vor allem auf die weichen Faktoren wie Kommunikation und Unternehmenskultur zu setzen.
So sollen die im Rahmen des BGM durchgeführten Maßnahmen effizient zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit beitragen. Um herauszufinden, wo die größten Schwachstellen liegen, werden Bürokräfte und Gesellen befragt. Was dabei vor allem herauskommt, überrascht viele Firmenchefs: „Eine bessere Vorbereitung der Termine und Baustellen ist für die Mitarbeiter tatsächlich wichtiger als das Geld.“ Mit entsprechenden Workshops kann dann überlegt werden, wie sich dieArbeitsabläufe für beide Seiten stressfreier gestalten lassen.
Quelle: handwerk-magazin/IKK Classic
Wer sich um ein besseres Gesundheitsmanagement kümmert, wird von manchen Krankenkassen übrigens mit Prämien belohnt.
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