Neue Mobilität im Handwerk
Tanken ist so teuer wie noch nie. Spätestens jetzt sollten sich Handwerksbetriebe überlegen, wie sie in Zukunft unterwegs sein möchten.
Die Spritpreise haben ein Rekordhoch erreicht. Doch viele Betriebe im Elektro- und SHK-Handwerk haben scheinbar keine Wahl: Sie müssen ihre Fahrzeuge betanken, damit die Monteure samt Material zur Baustelle kommen. Kurzfristig scheint es keine Alternative zu geben, als die hohen Preise zu akzeptieren. Mittelfristig gibt es aber einige Möglichkeiten, den steigenden Spritpreisen aus dem Weg zu gehen.
Eine relativ unkomplizierte Möglichkeit, die Rechnung an der Tankstelle zumindest ein wenig zu reduzieren, ist die Ausnutzung von Mengenrabatt. Handwerksbetriebe, die ihre Fahrzeuge regelmäßig tanken, sind für die Betreiber der Tankstellen gern gesehene Kunden. Über eine Tankkarte sind oft Preisnachlässe von mehreren Cent je Liter Kraftstoff möglich. Dabei gilt in der Regel der Grundsatz: Je mehr eine Firma tankt, desto größer fällt der Rabatt aus.
Sprit und damit Geld sparen lässt sich außerdem über eine so genannte Telematik Software. Diese Computerprogramme errechnen die ideale Route für die Monteure, damit die keine unnötigen Kilometer fahren. Außerdem machen sich ein angemessener Fahrstil, ein korrekter Reifendruck und der Verzicht auf unnötige Ladung beim Spritverbrauch bemerkbar.
Handwerksbetriebe zufrieden mit E-Autos
Doch die gestiegenen Kraftstoffpreise sind nicht die einzige Herausforderung, der sich Handwerksbetriebe mit Blick auf ihre Mobilität stellen müssen. Zunehmende Fahrverbotszonen für Dieselfahrzeuge können ebenfalls zum Problem werden. Knapp 80 Prozent der handwerklichen Fuhrparks in Deutschland werden mit Dieselmotoren betrieben, hieß es 2020 in einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).
Eine Alternative zu Dieselfahrzeugen ist der Umstieg auf E-Autos. In der ZDH-Umfrage gaben zwar nur vier Prozent der befragten Betriebe an, zukünftig in jedem Fall ein E-Fahrzeug anzuschaffen. Mehr als 80 Prozent der Betriebe, die bereits E-Autos nutzen, sagten jedoch, dass sich der Umstieg gelohnt habe.
Als Gründe für die Zurückhaltung bei der E-Mobilität nennt der ZDH das noch relativ geringe Fahrzeugangebot, die dünne öffentliche Ladeinfrastruktur und die hohen Anschaffungskosten. Eine weitere Herausforderung ist die Reichweite der Fahrzeuge. Doch es tut sich was: Das Angebot an E-Autos wächst, die Reichweite steigt und die Bundesregierung hat angekündigt, dass es bis zum Jahr 2030 bundesweit eine Million Ladepunkte für Elektroautos geben soll.
Umstieg auf E-Fahrzeuge ist gut fürs Image
Hinzu kommt, dass Handwerksbetriebe weiterhin von einer staatlichen Förderung profitieren können. Bei reinen E-Autos gibt es mit Umweltbonus und Innovationsprämie noch bis Ende 2022 einen Zuschuss von 9000 Euro. Bei Plug-in-Hybriden, also Fahrzeugen, die sowohl mit Sprit als auch mit Strom betrieben werden können, liegt die Förderung bei 6750 Euro. Außerdem haben einige Bundesländern spezielle Förderprogramme für Gewerbetreibende aufgelegt.
Der Umstieg auf E-Mobilität kann sich aber noch aus einem anderen Grund bezahlt machen: Das Auto, mit dem die Monteure durch die Stadt fahren, hat Auswirkungen auf das Image eines Betriebs. Ein leises E-Fahrzeug kommt hier in der Regel deutlich besser an als ein lauter, dreckiger Dieseltransporter. Zudem können sich Betriebe aus dem Elektrohandwerk als glaubwürdige Fachleute für den Ausbau und die Wartung der Ladeinfrastruktur positionieren, wenn sie in ihrem eigenen Fuhrpark selbst auf E-Fahrzeuge setzen.
Handwerker auf dem Rad
Gerade in größeren Städten mit vergleichsweise kurzen Anfahrtswegen kommen möglicherweise auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Fortbewegungsmittel in Frage: Wie wäre es mit einem Lastenrad als Ergänzung für den Fuhrpark? Kleineres Werkzeug lässt sich auf der Ladefläche transportieren und für den Fall, dass die Routen allzu viele Steigungen enthalten, gibt es die Lastenräder auch mit E-Antrieb. Auch hier unterstützt der Staat mit einer Förderung von bis zu 2500 Euro je E-Lastenrad.
Wenn sich der Umstieg aufs Rad für den Fuhrpark des Betriebs nicht umsetzen lässt, haben Handwerksbetriebe noch eine andere Möglichkeit, das Radfahren zu fördern. Und zwar mit dem so genannten Dienstradleasing. Nach dem Prinzip der Entgeltumwandlung behält der Arbeitgeber dabei einen Teil des Bruttolohns ein und least dafür ein Rad, dass der Mitarbeiter dann für den Weg zur Arbeit, aber auch in der Freizeit nutzen kann. Für den Betrieb entstehen so keine zusätzlichen Kosten, der Arbeitnehmer spart jedoch bis zu 40 Prozent bei seinem Rad. Positiver Nebeneffekt: Im Kampf um Fachkräfte sind solche Angebote ein echter Pluspunkt.




