Ein möglichst natürliches Lichtumfeld
HCL Human Centric Lighting in Büro und Werkstatt sowie zu Hause
Die meisten Menschen verbringen rund 90 Prozent ihrer Zeit in Räumen. Das aber widerspricht den in Jahrmillionen angeeigneten biologischen Prozessen des menschlichen Körpers. So dient das Auge z. B. nicht nur dem Sehen, es enthält auch Lichtrezeptoren, die wichtige biologische Prozesse in Gang bringen. Der menschliche Organismus benötigt helles Licht mit hohem Blauanteil am Morgen und über den Tag sowie weniger intensives gelblich-rötliches Licht am Abend. Bei herkömmlicher Beleuchtung ist jedoch die biologische Wirkung am Tag meist zu gering und abends bzw. in der Nacht zu stark.
Wie sehr Licht unser gesamtes biologisches System beeinflusst, ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt: Das richtige Licht zur richtigen Zeit hilft uns aber, tagsüber aktiv und leistungsfähig zu sein und nachts Schlaf und Erholung zu finden. Fehlen die richtigen Lichtreize oder erreichen sie uns zur falschen Zeit, kommt unsere innere Uhr aus dem Takt und mit ihr die Hormonausschüttungen, die unser Körper braucht. Das kann zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen und Schlafstörungen führen. Auch kann es eine Schwächung des Immunsystems und andere Erkrankungen bewirken, weil körpereigene Reparaturmechanismen außer Kraft gesetzt werden. Licht und Aktivität
zur falschen Zeit führen langfristig zu einem Phänomen, das „Social Jetlag“ genannt wird und mit vielen negativen Begleiterscheinungen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Problemen, Schlafstörungen und ungesundem Verhalten wie Rauchen oder Alkohol- und Koffeingenuss usw. in Verbindung gebracht wird.
Immer mehr Menschen müssen hohen Anforderungen im Beruf und oft auch im Privatleben gerecht werden und möchten sich dennoch dabei wohlfühlen. Zunehmend mehr Unternehmen und Organisationen sind daher bereit, in die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter als wirtschaftliche Erfolgsfaktoren zu investieren. Hier kann Licht einen wertvollen Beitrag leisten, weil wichtige biologische Prozesse im menschlichen Körper auf ein Leben unter natürlichem Licht ausgerichtet sind. Das richtige Licht zur richtigen Zeit kann viel Positives bewirken – bei allen Altersgruppen und in vielen Lebensbereichen.
Licht bestimmt unser Leben
Erst 2002 wurde entdeckt, dass sich im menschlichen Auge neben Zapfen und Stäbchen, die das Sehen ermöglichen, zusätzliche Lichtrezeptoren befinden. Diese lichtempfindlichen Zellen senden Signale an einen Bereich des Gehirns, der als innere Uhr den Stunden-Rhythmus unseres Körpers reguliert. Außerdem führen von dort aus weitere Nervenbahnen in Gehirnzentren, die unsere geistigen Fähigkeiten steuern. Licht beeinflusst zahlreiche Hormone, die wiederum Einfluss auf Blutdruck, Herzfrequenz, Vitalität, Gedächtnisprozesse und Stimmung haben. Wenn es dunkel wird, sorgt beim Menschen das Schlafhormon Melatonin dafür, dass Körperzellen auf „Nachtbetrieb" umgeschaltet werden. Dadurch finden wir einen guten und gesunden Schlaf.
Der menschliche Organismus braucht das, was er ursprünglich von der Sonne bekommen hat. Diesen natürlichen Lichtverlauf erhalten viele Menschen zu selten, da sie sich die meiste Zeit in Räumen aufhalten. Dort aber unterstützt das künstliche Licht primär das bessere Sehen, weil es entsprechend gültiger Normen so geplant wird. Dabei hat Licht auch immer eine biologische Wirkung: Bei herkömmlicher Beleuchtung ist diese nicht geplant und daher undefiniert mit möglichen negativen Folgen. Der Volksmund spricht heute noch vom unangenehmen „Neonlicht“ (ein Begriff aus den 70er-/80er-Jahren), insbesondere bei der Verwendung von Leuchtstofflampen.
Ein am Menschen orientiertes Lichtkonzept – genannt „Human Centric Lighting“ (HCL) – kann mit intelligent steuerbaren LED-Lichtsystemen die Charakteristik des natürlichen Tageslichts nachempfinden und uns damit etwas zurückgeben, das uns im Innenbereich häufig fehlt. Feldstudien zeigen, dass alle Altersgruppen von HCL-Lösungen profitieren können – von Schülern bis hin zu Senioren. Wissenschaftliche Studienergebnisse für unterschiedliche Anwendungsfelder wurden im Rahmen des 2016 abgeschlossenen EU-Projekts „SSL-erate“ von renommierten Universitäten in Basel, Oxford, Groningen und München gesammelt und ausgewertet.
Noch ist Human Centric Lighting nicht so breit im Markt angekommen, wie man es angesichts der vielen Vorteile, die es bietet, vielleicht erwartet hätte. Das liegt einerseits an dem langwierigen Prozess bis zum realisierten Projekt. Andererseits steht der Begeisterung von Forschern und Herstellern nach wie vor eine große Skepsis und z. T. auch Unwissenheit gegenüber, etwa bei Experten für Arbeitsschutz
oder Gewerkschaftern.
Normative und gesetzliche Vorschriften zu biologisch wirksamem Licht, die sowohl den Planern und Anwendern Sicherheit geben als auch der Elektrobranche einen Auftragssegen bescheren würden, liegen immer noch in weiter Ferne: Zu unklar sei die Erkenntnislage zu den langfristigen Auswirkungen von HCL, stellte z. B. die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) fest.
Vor Lichtplanern und Elektro-Profis liegt also eine große Palette neuartiger Werkzeuge für smarte Beleuchtung ausgebreitet, bei deren Anwendung der Fantasie kaum Grenzen gesetzt sind. Die Frage ist weniger „Was geht?“ als vielmehr „Was wollen die Kunden?“.
Quelle: Ledvance
Lesen Sie mehr über die Grundprinzipien der HCL-Beleuchtung sowie über die Anforderungen für Industrie- und Büroarbeitsplätze in der e-masters IMPULSE 4/2019 (Erscheinungsdatum: 11.10.2019) ab Seite 16. Wir empfehlen als Info auch das Lichtspecial der Elektrowirtschaft.
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