Arbeitsunfälle: So senken Betriebe das Risiko
In der Elektro- und SHK-Branche ist die Gefahr von Arbeitsunfällen besonders hoch. Arbeitgeber müssen für den nötigen Schutz sorgen.
Ein Mitarbeiter stolpert auf einer Baustelle über eine Leiter und bricht sich das Schlüsselbein. Eine Kollegin aus dem Büro stürzt im Homeoffice die Treppe hinunter und prellt sich die Hüfte. Oder der Azubi hat auf dem Weg zum Betrieb einen Autounfall und staucht sich dabei die Wirbelsäule. Nach den aktuellsten Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gab es im Jahr 2020 gut 913.000 Arbeitsunfälle, mehr als 600 davon endeten tödlich. Zwar sorgten Kurzarbeit und Homeoffice im ersten Jahr der Coronapandemie dafür, dass die Zahl der Arbeitsunfälle 2020 deutlich sank (minus 13,7 Prozent). Das Elektro- und SHK-Handwerk waren jedoch weiterhin überproportional stark betroffen. Gut jeder zehnte Arbeitsunfall ereignete sich auf dem Bau oder bei Elektroarbeiten.
Nicht jeder Unfall am Arbeitsplatz ist ein Arbeitsunfall
Grundsätzlich gilt: Wird ein Unfall am Arbeitsplatz beziehungsweise auf dem Weg dorthin als Arbeitsunfall eingestuft, springt die Berufsgenossenschaft als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung ein und zahlt die Behandlung sowie gegebenenfalls notwendige Reha-Maßnahmen. Allerdings gilt nicht jeder Unfall, der während der Arbeitszeit passiert, tatsächlich auch als Arbeitsunfall. Wenn sich die Beschäftigten grob fahrlässig verhalten und etwa wichtige Sicherheitsregeln nicht eingehalten haben oder sogar unter Alkoholeinfluss standen, zahlt die Versicherung in der Regel nicht.
Für Beschäftigte im Homeoffice gab es im Jahr 2021 jedoch eine Verbesserung beim Versicherungsschutz. Seitdem gilt: Unfälle auf dem Weg vom Schreibtisch zur Toilette oder bis zur Küchentür (nicht aber beim Essen und Trinken in der Küche) gelten als Arbeitsunfälle, genauso wie Unfälle auf dem Weg zwischen Homeoffice und Kita.
Betriebe müssen sich um Arbeitsschutz kümmern
Gerade in Branchen mit hohem Unfallrisiko wie dem Handwerk sind die Verantwortlichen eines Betriebs gefragt, wenn es darum geht, die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Dabei müssen je nach Tätigkeit unterschiedliche Dinge beachtet werden. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten sollten oberste Priorität haben.
Aufklärung und Information spielen dabei eine wichtige Rolle. Mindestens einmal im Jahr sollten die Mitarbeiter über Themen wie Brandschutz, Baustellensicherheit und den Umgang mit technischen Geräten informiert werden. Dabei können sich Betriebe auch Unterstützung zum Beispiel von einer externen Fachkraft für Arbeitssicherheit holen. Eine solche Unterweisung sollten die Betriebe protokollieren und von den Teilnehmern unterschreiben lassen. Im Ernstfall möchte die Berufsgenossenschaft diese Protokolle sehen.
Außerdem gilt es für jeden Arbeitsplatz eine so genannte Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Hier werden die Gefahren und Belastungen der Beschäftigten festgehalten. Orientieren können sich Betriebe dabei an den entsprechenden branchenbezogenen Vorlagen ihrer Berufsgenossenschaft. Eine solche Gefährdungsbeurteilung sollte alle drei Jahre aktualisiert werden.
Im Ernstfall drohen hohe Bußgelder
Betriebe, die sich nicht ausreichend um den Schutz ihrer Beschäftigten kümmern, riskieren nicht nur möglicherweise vermeidbare Unfälle ihres Personals, sondern auch hohe Strafen. Gibt es im Betrieb etwa keinen vollständigen Erste Hilfe-Koffer, droht laut Arbeitsstättenverordnung ein Bußgeld in Höhe von bis zu 500 Euro. Fehlen Feuerlöscher oder andere Mittel zur Brandbekämpfung können bis zu 2.000 Euro fällig werden. Und Betriebe, die keine Gefährdungsbeurteilung durchführen, müssen mit einer Strafe von bis zu 5.000 Euro rechnen.
Doch die hohen Bußgelder sollten selbstverständlich nicht die einzige Motivation sein, sich um einen ausreichenden Arbeitsschutz der Beschäftigten zu kümmern. Das eigene Personal ist das Wichtigste, was ein Betrieb hat. Ein guter Arbeitgeber kümmert sich um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter und versucht, Risiken möglichst frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Das Personal dankt es dem Arbeitgeber nicht nur mit weniger Krankheitstagen, sondern auch mit einer höheren Motivation.




